Abschied nach einem Jahr: Tschüss Anika

Abschied nach einem Jahr: Tschüss Anika
18 Jul 2017
Anika_schmalHoch

Anika Bösch sehnt sich zurück in den Schulbank. Trotz geschickter Hände wollte sie nicht weiter Podologin lernen, sondern entschloss sich ans Gymnasium zu gehen.

Ups. Irgendwann passiert etwas zum ersten Mal. Auch in der Podologiepraxis von Nicole Spirig. «Wer ausbildet, wer mit jungen Menschen arbeitet, wer ein Team von jungen Frauen führt, muss damit rechnen, dass eine Lernende die Ausbildung abbricht. Anika Bösch hat uns auf Ende des ersten Lehrjahres verlassen. Ohne böse Worte, ohne Groll und ohne schlechte Gefühle.»

Nicole Spirig bildete in den vergangenen Jahren erfolgreich sieben junge Frauen und einen jungen Mann aus. Sie und Natascha Kienberger, ebenfalls Berufsbildnerin, begleiteten die Auszubildenden durch viele Hochs und einige Tiefs, sie bereiteten alle erfolgreich auf die Lehrabschlussprüfung vor, vermittelten ihnen das Rüstzeug, um eine gute Podologin zu werden, um eigene Geschäfte zu eröffnen.

«Ich engagiere mich im Verband», sagt Nicole Spirig. «Denn ich übe meinen Beruf mit Leidenschaft aus und bin froh, ihn mitgestalten zu können.» Ebenfalls unterrichtet sie an der Berufsschule in Zofingen. «Auszubildenden mein Wissen und meine Erfahrung zu vermitteln, ist ebenfalls hochspannend und es freut mich immer, wenn ich die Lernenden perfekt auf das Qualifikationsverfahren am Ende der Lehrzeit vorbereiten kann.»

Anika hat geschickte Hände

Gut vorbereitet waren bisher alle jungen Leute, die ihre Lehrzeit an der Schützenstrasse 12 in Balgach beendeten. «Auch Anika hätte das geschafft», sagt die Podologin HF. «Sie hat geschickte Hände und wäre eine sehr gute Podologin geworden.»

Es kam anders. Die junge Frau fühlte sich nicht wohl. Obwohl sie gut ins Team passte und sich mit allen gut verstand. «Ich war geistig unterfordert», sagt Anika Bösch. «Mir fehlte die Schule, das Englisch, das Französisch und die Mathe-Stunden.» So wurde Anika schmerzlich bewusst, dass sie halt lieber einmal studieren möchte und deshalb wird sie noch weiter die Schulbank drücken, die Matur machen.

Anika Bösch: «Ich besuche nach den Sommerferien das Euregio-Gymnasium an der SBW Romanshorn. Dieses Podologie-Jahr war aber auf keinen Fall verlorene Zeit. Ich habe vieles gelernt. Etwa, wie ich mit Kunden am besten umgehe. Durch die vielen Heim- und Spitalbesuche erfuhr ich, wie dort der Alltag abläuft. Ebenfalls weiss ich jetzt, wie wichtig beispielsweise ein Desinfektionsmittel ist, denn die Mikroorganismen sind sehr hartnäckig. Und nach der schwierigen Entscheidungsfindung in den vergangenen Wochen, wurde mir bewusst, wie wichtig die Unterstützung der Familie, der Freunde ist.»

Angebot für einen Ferienjob

«Wir lassen sie ziehen», sagt Nicole Spirig. «Nicht gerne. Aber, wie schon gesagt, wer ausbildet, weiss, dass ein junger Mensch am Ende der neunjährigen Schulzeit einen Entscheid fällen muss, der vielleicht nicht alltagstauglich ist. Und deshalb habe ich Verständnis für ihre Entscheidung.»

Die eine oder andere Kundin wird Anika wiedersehen, denn weil sie eine geschickte Hand und eine sympathische Art hat, machte Nicole Spirig ihr ein Ferienjob-Angebot. «Wir freuen uns alle, wenn Anika das annimmt.» Bis dahin wünschen wir ihr viel Glück.

 

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