«Wir pflegen Füsse mit Köpfchen»

Das Team von Nicole Spirig mit Maura Graglia (hinten rechts) an der Weiterbildung zum Thema «Mit Krisen umgehen».
11 Jun 2013

Nicole Spirig, dipl. Podologin HF, führt ein Team mit Köpfchen,  organisiert regelmässig Weiterbildungen für ihre Podologinnen. Diesmal ging es darum, den Umgang mit Krisen zu lernen.

«Eine Podologin entfernt Hühneraugen und überschüssige Hornhaut. Sie lindert Halux Valgus-Schmerzen, legt eingewachsene Nägel frei, appliziert Spangen und Entlastungsverbände», sagt Nicole Spirig, diplomierte Podologin HF. «Sie pflegt also Füsse. Und diese Füsse gehören Menschen. Und deshalb arbeiten wir Podologinnen nicht nur an Füssen, sondern an Menschen. An Kundinnen und Kunden, an Patientinnen und Patienten. Damit nun meine Mitarbeitenden und ich diese Menschen wirklich gut betreuen können, müssen wir sie verstehen. Müssen Verständnis haben für ihre Sorgen, für ihre Leiden und ihre Krankheiten.»

Dies sind hohe Ziele. Will ein Team sie erreichen, braucht es regelmässig Weiterbildungen. Deshalb engagierte Nicole Spirig im vergangenen Herbst Cristina De Biasio von der Alzheimer Vereinigung St. Gallen/Appenzell. Die Fachfrau erklärte den Podologinnen und Lernenden wie sie mit Menschen begegnen sollen, die an Demenz erkrankt sind. Ein sehr aktuelles Thema, denn Nicole Spirig betreut mit ihrem Team sieben Altersheime und Spitäler.

Die aktuelle Weiterbildung drehte sich um die Frage «wie umgehen mit Krisen». Nicole Spirig verpflichtete als Referentin Maura Graglia. Die Psychologin arbeitet in St. Gallen und Basel. Sie coacht, berät und schult Einzelpersonen, Teams sowie Unternehmen. Maura Graglia informierte die Teilnehmenden über die verschiedensten Formen von Krisen. Sie sprach über den Umgang mit Schicksalsschlägen und Krankheiten, mit Leid und Schmerz, mit Wut und Trauer. In Gruppen redeten die Teilnehmenden über den Unterschied von Dienen und Helfen, tauschten sich aus über den Umgang mit Distanz und Anteilnahme, sprachen über das Reden und das Schweigen.

«Das sind zentrale Faktoren in unserem Dienstleistungsberuf», sagt Nicole Spirig. «Und solche Fragen können in der Berufsschule nur am Rande erörtert werden.» Die erfahrene Lehrmeisterin weiss, wovon sie spricht. Als Referentin unterrichtet sie angehende Berufsleute, nimmt Prüfungen ab und engagiert sich in Verbandskommissionen. «In den letzten zehn Jahren konnte ich bereits fünf Lernenden erfolgreich zur Lehrabschlussprüfung führen.»

Jüngste ausgelernte Podologin im Spirig-Team ist Anja Steiner aus Widnau. Sie schloss ihre Lehre diesen Sommer  erfolgreich ab. Für sie war die Weiterbildung bei Maura Graglia «sehr lehrreich». Nach den wichtigsten Erkenntnissen gefragt, meint Anja Steiner: «Wenn ich anderen helfen will, muss ich selbst bereit sein. Dabei ist wichtig, dass ich den Überblick behalte, eine innere Sicherheit entwickele, flexibel bin, Geborgenheit ausstrahle und einen guten Kontakt zum eigenen Körper habe.»

Anja Steiner weiss nun auch: «Wer jemandem helfen möchte, sollte optimistisch denken und handeln. Ich weiss nun, dass ich auch mal eine andere Sichtweise aufbringen muss und ein Problem lösungsorientiert anpacke.»

Lösungsorientiertes Handeln ist im Team der Podologiepraxis von Nicole Spirig an der Tagesordnung. Schliesslich gilt es jeder Kundinnen, jedem Kunden die Füsse individuell zu pflegen. Ganz nach dem Motto: «Nur gepflegte Füsse sind sexy.»

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